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Reiseberichte

Kulturfahrt nach Ravenna
26. - 30. Oktober 2011

Zum zweiten Mal eine kurze Reise mit der „Dante“. Waren es das erste Mal die Villen des Palladio im Veneto, so ging es diesmal zu wesentlich älteren Kulturschätzen in die Romagna. Wir starteten bei Dämmerung und Regen. Im Kanaltal regten sich im Bus die ersten Stimmen, als wir die vielen Wasserfälle von den Bergen stürzen sahen und ahnten wie gefährdet manche Siedlungen sind. Der Regen hielt an, aber die Außentemperatur stieg. Das machte uns Mut. Regen und Kälte, das wäre schlimm. Aber bis Ravenna war es noch weit und der Regen verlor sich. An keinem der fünf Reisetage wurden wir nass.
Am frühen Nachmittag erreichten wir das Podelta und kurz darauf Pomposa mit der ehemaligen in den 30iger Jahren renovierten Benedektiner Abtei. Hier bestaunten wir die wunderbare romanische Kirche, deren großer Innenraum fast vollständig mit Fresken bedeckt ist und die außerdem einen sehr gut erhaltenen Mosaikfußboden aufweist; daneben erhebt sich ein sehenswerter Campanile, während im ehemaligen Refektorium und Dormi-torium ein Museum untergebracht ist.
Nach kurzer Weiterfahrt erreichten wir am Stadtrand von Ravenna das Grabmal des Theoderich; nach der Legende starb der Gotenkönig durch einen Blitzschlag, der auch den Riss in der aus einem 300 Tonnen schweren Monolithen bestehenden Decke des Gebäudes verursacht haben soll und wurde hier begraben. Die schlichte Schönheit dieses Grabmals erschließt sich dem Betrachter erst nach und nach.
Von hier war es nicht mehr weit bis zu unserem modernen Hotel am Stadtrand, das uns nicht nur tadellose Zimmer bot, sondern auch ein Frühstückbuffet und am Abend, ein leichtes Menu in netter Atmosphäre. Der Abendausklang wurde somit jeden Tag etwas länger.
Am zweiten Tag stand Ravenna und seine vielen wunderbaren Kirchen auf dem Programm. Der Bus brachte uns bis zur Kirche San Giovanni Evangelista, wo gerade eine Messe gelesen wurde; von da an waren wir den ganzen Tag zu Fuß im Zentrum der Radfahrerstadt unterwegs. Zunächst ging es zum Baptisterium der Arianer, die anders als die Katholiken, nicht an die Wesensgleichheit von Gott und Christus glaubten; sie hatten viele Anhänger unter den Germanen. Der kleine, aus Ziegeln errichtete, achteckige Bau, wurde wahrscheinlich Ende des 5. Jhdt. n. Chr., von Theoderich erbaut. Die Innenwände sind fast vollständig mit farbenprächtigen Mosaiken überzogen und im Zentrum der Kuppel befindet sich die Darstellung der Taufe Christi: der Heiland ist nackt im Jordan stehend dargestellt mit Johannes dem Täufer an der einen und der Personifizierung des Jordan (mit einem Schilfrohr in der Hand und Krebsscheren auf dem Kopf) auf der anderen Seite. Die kräftigen Farben der Mosaike, die klare Bildsprache, die Vielfalt der Ornamente beeindruckten mich sehr.
Danach folgten die Basiliken von San Apollinare nuovo und San Vitale (ein wunderbares Bauwerk byzantinischen Ursprungs, ebenfalls mit herrlichen Mosaiken und einer beeindruckenden Innenraumgestaltung), sowie das Mausoleum der Galla Placidia, dessen Wände vollständig von farbenprächtigen Mosaiken bedeckt sind.
Am Nachmittag folgten dann das Neon-Baptisterium und der Dom, sowie das erzbischöfliche Museum mit der kleinen Kapelle aus dem 6. Jhdt. und das Prunkstück, - die Elfenbeinkathedra des Maximian. Dieser Thron stellt in hervorragender Schnitzkunst Szenen aus dem alten und neuen Testament dar. Natürlich durfte auch ein Besuch in der Kirche San Francesco, mit der Krypta, die immer unter Wasser steht, nicht fehlen; wir staunten über die hervorragend restaurierten Kreuzgänge und hielten kurz inne beim Grabmal von Dante Alighieri.
Wir haben an diesem Tag so vieles gesehen, dass es mich im Nachhinein erstaunt, dass wir zu Mittag Zeit für eine lange Pause fanden, in der wir im Freien die warmen Sonnenstrahlen genießen konnten!
Einige von uns konnten an diesem Tag gar nicht genug bekommen und so sind wir nach den Besichtigungen noch in der Stadt geblieben und haben den Tag gemeinsam bei einem Glas Prosecco und Knabbereien ausklingen lassen.
Den Abschluss der Mosaiken bildete am dritten Reisetag der Besuch in San Apollinare in Classe; hier erregten auch die vielen Sarkophage aus dem 5. bis 8. Jhdt. unser Interesse. Auf der Fahrt nach Faenza, wo wir die Mittagszeit zubrachten, sahen wir einige kleine romanische Landkirchen und somit den Einfluss, den die Baukunst von Ravenna auf die Umgebung ausübte. Nach dem Essen ging die Fahrt weiter nach Brisighella, einem kleinen Thermalkurort, in strategisch bedeutender Lage; wir erkundeten die "via degli asini" - ein gedeckter Gang im 1. Stock der Häuser (über den früheren Pferdeställen), holprig und niedrig. Von dort ging es steil bergan zur Rocca, von wo wir mit einem herrlichen Blick in die hügelige Landschaft für unsere Anstrengung belohnt wurden. Bevor wir den Heimweg antraten, sahen wir noch die Reste einer römischen Anlage in der Pieve del Thò (San Giovanni Battista in Ottavo).
Danach blieb sogar noch Zeit, um einen Abstecher an den Lido di Classe zu unternehmen, wo sich zu römischer Zeit der Hafen befand.
Der vierte Reisetag führte uns in die Provinzhauptstadt Forli mit ihrer beeindruckenden Rocca und der Kirche San Mercuriale. Nach einer gemütlichen Mittagsrast ging es am Nachmittag weiter nach Lugo, der Heimat des Fliegerhelden Francesco Baracca (an den ein entsprechendes Denkmal erinnert). Neben der riesigen Rocca beeindruckte ein großer, roter Marktplatz, der von Kolonaden umgeben ist, in denen sich eine Vielzahl von Geschäften befinden: das Konzept eines Einkaufszentrums aus früherer Zeit!
Nicht weit entfernt liegt der kleine Ort Bagnacavallo, wo es ebenfalls einen kleinen ovalen Marktplatz gibt, der allerdings sehr verlassen wirkte. Die Besichtigung der schönen Kirche San Pietro in Silvis war leider  nicht sofort möglich - der Pfarrer nahm den Schülern gerade die Beichte ab und so hieß es warten. Aber es hat sich gelohnt, denn jetzt schien die tiefstehende Sonne durch das Kirchentor bis tief ins Kircheninnere und erleuchtete die alten Fresken und den ebenso alten Altartisch.
Unser letzter Reisetag führte uns nach Dozza: eine kleine, mittelalterlich anmutende Stadt auf einem längsgestreckten Hügel, der an der einen Seite durch ein imposantes Stadttor, am anderen Ende durch eine Burg begrenzt wird. Diese lädt zu einer eingehende Besichtigung ein (die Burgküche mit originalen, alten Gerätschaften könnte man jederzeit bekochen)! Zwischen diesen beiden Punkten stehen viele, meist niedrige Häuser, deren Wände von zeitgenössischen Künstlern aus aller Welt im Rahmen mehrerer Biennalen bemalt wurden. Vieles davon mutet eigenartig an, witzig ist es allemal. Hier ergriffen auch viele von uns die Gelegenheit in der 'Enoteca' im Burgkeller Wein, spezielle Öle, Essig oder Marmeladen zu erstehen.
Dann war es Zeit für uns die Heimreise anzutreten. In bewährter Art und Weise brachte uns Herr Alois im bequemen Reisebus wieder wohlbehalten nach Hause.
Auch diesmal vergingen die Tage wie im Flug. Ich habe jeden einzelnen Tag wirklich genossen und möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Frau Graue für ihre großartige Reisevorbereitung bedanken. Immer wieder erhielten wir interessante Informationen zu den Städten, den Baudenkmälern und der Geschichte dieses Landstriches. Wir erfuhren aber auch einiges über die Landwirtschaft im riesigen Podelta, kamen an alten Wasserkraftwerksanlagen vorbei, die auch für die gezielte Bewässerung der Gebiete sorgen, sahen vom Strand in Lido di Classe aus in der Ferne eine Ölplattform.
Es war eine schöne, kurzweilige und sehr abwechslungsreiche Reise. Ich freue mich schon auf den Bilderabend zur Reise im kommenden Jahr!

Barbara Leber