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Reiseberichte

Terraferma Veneziana
26. - 28. Oktober 2012

Unter diesem Titel stand die dreitägige Herbstfahrt der Dante Alighieri Gesellschaft Klagenfurt, die unter anderen die weniger bekannten Villen der Provinzen Padua und Rovigo zum Ziel hatte.

Zwar hatte die Wetterprognose Regen vorhergesagt, aber wir konnten doch bei trockenem Wetter aufbrechen; die kleinen Schauer unterwegs störten nicht und bei unserem ersten Halt in Alvisopoli (Gemeinde Fossalta di Portogruaro) hatte es wieder zu regnen aufgehört.

Alvise Mocenigo, der Spross einer bedeutenden venezianischen Patrizierfamilie wollte den umfangreichen Grundbesitz der Familie, nach radikalen Bonifizierungsmaßnahmen am Ende des 18. und zu Beginn des 19. JH in eine „ideale und vollkommen autarke Stadt“ verwandeln. Dabei beschränkte er sich nicht nur auf den Anbau von Getreide, Mais, Zuckerrübe, Wein etc., sondern er gründete auch die erforderlichen Manufakturen zur Verarbeitung dieser Produkte und eine bedeutende Druckerei.

Heute sind neben der Villa auch noch die angrenzende Kapelle, sowie die „Barchesse“ zu sehen, sowie die – nunmehr restaurierten und als Zweitwohnsitze adaptierten – früheren Bauernhäuser, die ebenso wie die Wohneinheiten in der Villa Senioren beherbergen, die auch den früheren Gemüsegarten wieder bestellen.

Der Regen, der wieder eingesetzt hatte, zwang uns zu einer Mittagspause in Piove di Sacco, von wo es am frühen Nachmittag weiter zur Villa Garzoni in Pontecasale ging. Zu der von Jacopo Sansovino (noch vor Palladio) erbauten Villa gehört noch heute umfangreicher Landbesitz, der mit einer hohen und mit dekorativen Zinnen verzierten Mauer umgegeben ist. Der langgestreckte einstöckige Bau entspricht so gar nicht den Vorstellungen, die wir von einer Villa auf dem Land haben; er ähnelt eher einem Palast in der Stadt. Diese Villa, die - wie so viele andere - in Privatbesitz ist, kann nur von außen besichtigt werden.

Wir setzten daher unsere Fahrt fort: das nächste Ziel war die Villa Widmann Borletti in Bagnoli di Sopra, von der Goldoni, der hier häufig zu Gast war, in seinen Werken immer wieder berichtet. Die Familie Widmann erwarb dieses Anwesen, in dem sich seit dem Jahr 1.000 ein Benediktinerkloster befunden hatte, 1657 vom Kirchenstaat; schon die Mönche hatten das Gebiet urbar gemacht und sie unterstanden bis ins 17. JH dem Kloster von Santo Spirito in Venedig. - Die von Baldassarre Longhena errichtete Villa, zu der auch ein Theater, die Kirche, die Stallungen, die Keller und umfangreiche Garten-anlagen gehörten, entstand unter Verwendung von Teilen des Klosters. Im Garten der Villa befinden sich noch heute die Statuen, die Antonio Bonazza schuf und die Teil der Szenerie waren, in denen Goldoni viele seiner Werke zur Aufführung brachte. Seit 1917 ist die Villa im Besitz der Familie Borletti, die früher in Italien für ihre Nähmaschinen berühmt war; das Dominio di Bagnoli umfasst 600 Hektar, auf denen Getreide, Mais, Reis und Wein angebaut werden; außerdem werden in diesem Betrieb auch über 2.000 Stück Vieh im Jahr betreut. Berühmt sind vor allem die Weine, allen voran der Friularo eine autochthone Rebsorte aus der Gegend von Padua.

Bei Dunkelheit und Regen erreichten wir unser Hotel in Abano, wo einige der Mitreisenden die Gelegenheit zu einem Bad in der Therme nutzten, ehe das Abendessen eingenommen wurde.

Am darauffolgenden Tag ging es Richtung Süden, in die Provinz Rovigo; in Fiesso Umbertiano war das Rathaus Ziel unserer Besichtigungen; die frühere Villa Morosini Calergi bildet heute den Mittelpunkt des Ortes, der sich erst langsam um diese Villa entwickelte. Gut erkennbar ist auch noch die gerade Straße, die zwischen den Häusern auf die Villa zuführt (die bei der Villa Widmann noch als Allee erhalten war). Aber der Bau selbst steht in einer Grünfläche und ist erst kürzlich renoviert worden; als Maßnahme gegen die Krise unterstützt die Region Venetien Renovierungsarbeiten, deren Kosten 500.000 Euro nicht übersteigen dürfen und die innerhalb von 180 Tagen umgesetzt werden müssen.

Die Villa zeigt vier Schauseiten, wobei die Fassade durch eine zweiläufige elegante Treppe gekennzeichnet ist, die in den achteckigen Hauptsaal führt, der sich über zwei Geschoße erstreckt und von einem Tambour als Lichtquelle gekrönt wird.

Von dort ging es zur direkt am Po gelegen Villa Morosini Mantovani nach Polesella. Wie die meisten der Villen im Veneto verfügte auch sie über einen direkten Zugang zum Wasser, - nur rund 100m von der Freitreppe, die zum Haus führt, entfernt. Die Errichtung des Schutzdammes gegen das Hochwasser des Po hat die Villa dieses Wasserweges beraubt und damit das gesamte Erscheinungsbild der Villa verändert. Der heutige Besitzer, ein Kunstsammler nutzt die Räume für Ausstellungen und hat hier seine Sammlung moderner Kunst untergebracht. Derzeit werden Werke von Giovanni Frangi gezeigt, der die Originalfotos vom schrecklichen Hochwasser des Jahres 1951 handkolorierte und ihnen damit eine besondere Ausdruckskraft verlieh.

Die Mittagspause hielten wir in Fratta Polesine ab, wo sich nicht nur die berühmte von Andrea Palladio errichtete Villa Badoer befindet, die zum Weltkulturerbe gezählt wird, sondern eine Vielzahl von weiteren Villen und Palästen: wie z.B. die Villa Molin, die wie eine Kopie der „Malcontenta“ wirkt, aber auch eine der Familie Dolfin, wo sich heute die Verwaltung eines Zentrums für Behinderte und betagte Menschen befindet.

Die Führung durch die Badoere, die sich in Staatsbesitz befindet, war umfang- und lehrreich, weil wir auch die Räume der oberen Geschosse und sogar den Dachboden besichtigen konnten. Der Kanal, der an der Villa (und vielen anderen) vorbeifließt, war in früheren Zeiten schiffbar!!

Auf der Rückfahrt nach Abano legten wir bei einer der ersten Villenbauten der Gegend, der Villa Nani Loredan in S. Urbano, einen kurzen Halt ein, um die Ähnlichkeiten mit den Palästen am Canal Grande aufzuzeigen.

Für den Sonntag hatte uns der Präsident des Istituto Italo-Tedesco, Luciano Polato, zunächst für 9 Uhr eine Besichtigung im Castello von Monselice organisiert, die die Teilnehmer trotz des strömenden Regens begeisterte, sind doch in diesem Komplex Gebäude aus verschiedenen Jahrhunderten zusammen-gefasst, die teilweise auf das Jahr 1.000 zurückgehen; sie alle wurden in der 1. Hälfte des 20. JH von Conte Cini erworben, in mühevoller Arbeit restauriert und möbliert. Dort fanden auch seine diversen Sammlungen Aufnahme. Besonders beeindruckend waren die Kamine und die wunderbaren Tapisserien im großen Saal.

Leider fiel der Spaziergang zu den sieben Kapellen, die von Scamozzi, dem Nachfolger Palladios errichtet worden waren, und zur Villa Duodo dem strömenden Regen zum Opfer. - Dafür entschädigte das hervorragende Mittagessen im Antico Molin in Pernumia, das uns ebenfalls Kollege Polato vermittelt hatte. So wie den letzten Punkt unseres Programms: die Abtei von Praglia, wo uns der Prior selbst führte und uns nicht nur die berühmten Kreuzgänge zeigte, sondern auch die Ehrentreppe, das Refektorium und die Bibliothek. Seine humorvolle Art und sein leicht verständliches Italienisch fanden bei den Teilnehmern großen Anklang.