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Dante und die Liebe seines Lebens

Dante Alighieri, unbestritten einer der größten Schriftsteller der Weltliteratur und Namensgeber unserer Gesellschaft und sein Hauptwerk die „Divina Commedia“ flößen noch immer – trotz zahlloser guter Übersetzungen – ein Gefühl der Abgehobenheit und Distanz ein. Für viele Menschen handelt es sich dabei um einen Autor und ein Werk, das vorwiegend für das Studium an den Universitäten geeignet erscheint.

Das vorliegende Buch ist bestens geeignet diese Hürden zu überwinden, da es sich in erster Linie mit dem spannenden Leben des Dichters befasst, von dem lediglich Teile seiner politischen Aktivitäten bekannt und dokumentiert sind, während man weitere autobiographische Hinweise seinen Schriften entnehmen kann, wofür man diese aber im Detail intensiv studieren muss.

Klaus Rudolf Engert hat sich dieser Mühe unterzogen und bettet die Darstellung des Lebens des „sommo poeta“ ein in die Beschreibung der damaligen Situation in Florenz: zahlreich sind die Informationen zum Leben in Florenz, der Geburtsstadt des Dichters, am Ende des 13. JH und zwar sowohl in gesellschaftlicher als auch in wirtschaftlicher und städtebaulicher Hinsicht.  Auch die Beziehungen der Städte der Toskana zueinander, die Entwicklungen in Oberitalien, die Rolle von Papst und Kaiser werden ausführlich behandelt.

Die Spannungen zwischen Kaiser und Papst, auch als Investiturstreit bekannt, führen zur Spaltung der italienischen Comuni in Guelfi und Ghibellini. Begriffe, die ihren Ursprung in Deutschland haben, wo die Welfen und die Waiblinger um den deutschen Königstitel ringen.

Diese Auseinandersetzungen werden nach Italien „exportiert“ und bekommen hier eine ganz andere Bedeutung: die Guelfen werden zu Anhängern des Papstes, während die Ghibellinen für eine führende Rolle des Kaisers eintreten.

Viele der „Stadtstaaten“ in Ober- und Mittelitalien nützen diese Auseinandersetzungen um unabhängig zu werden, bzw. die eigene Autonomie zu stärken und den Einfluss der beiden vorherrschenden Mächte zurückzudrängen. Während der Adel die Rechte des Kaisers verteidigt, stehen etliche Städte auf der Seite der Guelfen, weil sie sich vom Papst mehr Freiheiten erwarten.

Im Laufe der Zeit kommt es in einigen italienischen Städten zu einer weiteren Spaltung der Guelfen: besonders in Pistoia, aber auch in Florenz erfolgt eine Trennung in Weiß und Schwarz – und auch hier geht es um Einfluss und Macht.

Der Autor präsentiert uns diese schwierig zu erklärende Situation in sehr anschaulicher und gut lesbarer Art und Weise und begleitet Dante nach seinen ersten politischen Erfolgen in der Geburts-stadt Florenz und nach seiner Verurteilung und Verbannung durch Italien:

Von Arezzo nach Bologna, von der Lunigiana nach Frankreich. Wir lernen die Herrscherfiguren der Della Scala in Verona kennen, die der Guidi im Casentino und die Malaspina in der Lunigiana.

Auf einfühlsame Art und Weise zeigt er die Probleme auf, mit denen Dante während seines langen Exils zu kämpfen hat: die Trennung von der Familie, die Sehnsucht nach Florenz, das für Dante immer ein Fixstern ist und bleiben wird, die Hoffnung auf eine Rückkehr und die schwierige finanzielle Situation, aber auch wie sehr Dante oft die „geistiger Nahrung“ fehlt:gut bestückte Bibliotheken und die Diskussion mit den geistigen Größen seiner Zeit.

Interessant auch die Hinweise auf die zwei anderen Werke des „sommo poeta“: Convivio/ Gastmahl und De Vulgari Eloquentia, die er in Volgare bzw. in Latein abgefasst hat, um jene Menschen zu erreichen, für die er diese Werke gedacht/geschrieben hat.

Das vorliegende Werk ist eine hervorragende Ergänzung zur Kulturfahrt, die die Dante Alighieri Gesellschaft Klagenfurt im Mai nach Florenz unternommen hat. Ein Bericht über die Fahrt folgt im nächsten Dante Giornale; für Anfang Dezember ist ein Rückblick auf die Reise mit zahlreichen Bildern geplant.

Das Buch liefert Zusatzinformationen, zeigt Zusammenhänge auf und rundet so das Bild von Florenz mit seinen Zünften und Künstlern ab, die in den größeren Zusammenhang mit der Toskana und Italien gestellt werden. Wie aktuell die Themen Flucht und Vertreibung (nicht mehr Verbannung) auch heute wieder sind, zeigen uns die Medien täglich.