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La Ragusa di Montalbano

Den 1925 in Porto Empedocle geborenen Andrea CAMILLERI, den Schöpfer von mittlerweile 18 Kriminalromanen rund um Commissario Salvo MONTALBANO, muss man wohl nicht vorstellen, denn seine Bücher wurden in 35 Sprachen übersetzt und sind auch bei uns bestens bekannt. Der 89jährige Kettenraucher ist aber nicht nur Autor der genannten  Kriminalromane, sondern verfasste auch Theaterstücke und Gedichtbänden, und war auch Regisseur und Drehbuchautor (bei Maigret-Filmen).

Berühmt geworden ist er aber erst mit den genannten Kriminalromanen und zwar weit über seine Heimat hinaus; vor allem durch deren höchst erfolgreiche Verfilmung für das Fernsehen, mit Luca Zingaretti in der Hauptrolle, der den überaus sympathischen Commissario verkörpert.

Ein Medusenhaupt mit drei Beinen, die für die drei Meere stehen, die Sizilien umspülen: Mittelmeer, Tyrrhenisches Meer und Ionisches Meer ist das Symbol von TRINACRIA (so die alte Bezeichnung der Insel), die auf eine über 2.000jährige Geschichte zurückblicken kann, die von Griechen, Puniern, Römern, Byzantinern, Arabern, Normannen, Hohenstaufern, Spaniern, Österreichern und Bourbonen etc. geprägt wurde, die alle Spuren in der Architektur, in der Sprache etc. hinterlassen haben.

Das Gebiet der Provinz Ragusa ist äußerst abwechslungsreich: es reicht von den Monti Iblei bis zum Meer. In dem Gebiet zwischen diesen beiden Extremen, wo das Gelände sanft gegen das Meer abfällt, finden wir ausgedehnte Flächen, die durch „muri a secco“ getrennt sind, wo Oliven und Johannesbrotbäume angepflanzt werden. An der Küste finden wir wunderbare Sandstrände.

Die Geschichten spielen in RAGUSA, in der südlichsten der neun sizilianischen Provinzen, aber die Orte sind erfunden: VIGATA entspricht Sciclì (mit fast 26.000 Einwohnern), das 2002 aufgrund des Barocks zum Weltkulturerbe ernannt wurde. MONTELUSA ist Ragusa Ibla, der älteste Teil der Stadt. Montalbano lebt in einer kleinen Villa in PUNTA SECCA = Marinella und beginnt jeden Tag mit einem ausgedehnten Bad im Meer. Donnalucata (Marina di Vigata) ist ein weiterer Ort am Meer, wo viele Szenen gedreht wurden.

Ragusa besteht aus der ehemaligen Sikulerstadt „Hybla Heraea“ – heute Ragusa Ibla (Vecchia oder Inferiore) – mit dem Dom San Giorgio, der im 18. JH wieder errichtet wurde.

Nach dem verheerenden Erdbeben von 1693, bei dem rund 5.000 der damals 13.000 Einwohner ihr Leben verloren, wurde Ragusa Nuova (Superiore), mit der Kathedrale San Giovanni erbaut. Das Erdbeben war das stärkste, das je in Italien registriert wurde: 45 Siedlungen wurden zerstört und rund 60.000 Menschen verloren ihr Leben. Der Wiederaufbau erfolgte im gesamten Gebiet im Barock-Stil des Tales von Noto; ein Stil, der zur Übertreibung neigt und der in keiner anderen Gegend Italiens zu finden ist.

Es entstanden zwei Gemeinden, von denen jede ihren Schutzpatron verehrte und beide Heiligen wurden mit prächtigen Prozessionen gefeiert.

1926 wurde Ragusa zur Provinzhauptstadt ernannt und die beiden Gemeinden wurden vereint. Die Stadt zählt heute ca. 70.000 Einwohner. Man nennt sie auch die „città dei ponti“, weil drei Brücken eine tiefe Schlucht überwinden, und so den Verkehr zwischen den Teilen der Gemeinde ermöglichen.

Die Stadt hat ihren Namen im Lauf der Geschichte mehrmals verändert; man glaubt, dass der heutige Namen aus der byzantinischen Sprache abgeleitet wurde und so viel bedeutet wie „granaio“ (Kornkammer), was auf den landwirtschaftlichen Reichtum des Gebietes hinweist.

Ragusa soll heute zu den 20 sichersten Gemeinden von Italien gehören (3% aller in der gesamten Region angezeigten Delikte) und weist mit 9% die niedrigste Arbeitslosenquote von Sizilien auf. Die Infrastrukturen sind mangelhaft, die Verbindungen zu den anderen Städten der Insel schlecht. Zahlreiche Tragödien von gestrandeten Immigranten aus Afrika spielten und spielen sich hier ab. Ragusa ist die Stadt, in der Käse, Öl (das von den Monte Iblei kommt), Honig und Wein erzeugt werden. Sie ist ferner jene Stadt, die an erster Stelle steht, wenn es um die Exporte biologischer Produkte geht.