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Padroni a casa nostra

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Es war wohl der Titel des Buches „Padroni a casa nostra“ (Herren im eigenen Haus) der die Neugierde vieler Besucher geweckt hatte und sie bewog, sich die Ausführungen des Schriftstellers aus Pordenone persönlich anzuhören.

Ursprünglich war geplant, Auszüge aus dem Buch zu lesen und diese dann zu kommentieren; Prof. Villalta zog es allerdings vor, frei über sein Buch und sich selbst zu sprechen und da niemand im Publikum nach einer Übersetzung verlangte, weil alle den Ausfüh-rungen in italienischer Sprache gut folgen konnten, spannte der Vortragende den Bogen vom Titel, der in Italien als Slogan der Lega Nord hinreichend bekannt ist (und den der Verlag gewählt hatte), bis hin zu den Motiven, die ihn bewogen hatten, dieses Buch zu schreiben.

Aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtete er vor allem Friaul und seine Bewohner und versuchte zu beschreiben und zu erklären, wie, wann und warum sich diese unsere Nachbarregion von einem stark archaisch geprägten agrarischen Land zu einer der führenden Regionen Italiens auf industriellem und wirtschaftlichem Gebiet entwickelte und welche Auswirkungen der nunmehr erreichte Wohlstand auf die Bevölkerung im Allgemeinen und auf die Jugend im Besonderen hat.

Berührend die Beschreibung der armen Bauernfamilien nach der Einigung Italiens und bis zum zweiten Weltkrieg, in denen die Frauen zur Arbeit, „zum Dienst“, in die Stadt mussten, während die Kinder bei den Großeltern aufwuchsen; ebenso beeindruckend der hohe Anteil an Emigranten, die in die verschiedensten europäischen Staaten, aber auch nach Übersee abwanderten.

Nur langsam veränderten sich die Strukturen der Gesellschaft, die von den „Opfern“, die Jahrhunderte hindurch zu erbringen waren, gekennzeichnet war.

Die tiefgreifende Veränderung trat dann mit dem furchtbaren Erdbeben 1976 ein, als man in Friaul zu einem Neuanfang gezwungen war; der Wiederaufbau gelang, dank der Neigung der Friulaner zu harter Arbeit und zum Verzicht und dank ihrer großen Kreativität. Der wirtschaftliche Aufstieg, das Entstehen neuer Industriezweige und vor allem die großen Fortschritte auf dem Gebiet der Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte – hier in erster Linie von Wein und Obst – und nicht zuletzt der Bedeutung des Fremdenverkehrs, haben zu jenem Wohlstand geführt, der auch eine Explosion auf dem Gebiet der Bildung zur Folge hatte, die diesen Wohlstand absicherte und ausbaute.

Die Krise, die auch den Nordosten Italiens – und damit bezeichnete der Autor nicht nur die Region Friaul-Julisch Venetien, sondern auch Venetien und Trentino–Südtirol – erfasst hat, wo man zum ersten Mal seit dem Ende des Krieges Arbeitslosigkeit und die Schließung von Betrieben erlebt, wird wohl zu einer neuerlichen Veränderung der Gesellschaft führen.

Die Veranstaltung schloss mit einer Diskussion, an der sich zahlreiche Zuhörer beteiligten, die dann aber abgebrochen werden musste, da der Referent noch am selben Abend die Heimfahrt antreten wollte, um am darauffolgenden Tag wieder rechtzeitig vor seinen Schülern in der Klasse zu erscheinen.