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Erfahrungsberichte

Scuola Palazzo Malvisi in Bagno di Romagna

Auf Empfehlung von Frau Graue hat es mich diesmal nach Bagno di Romagna in der Emilia Romagna verschlagen. Die Scuola Palazzo Malvisi wurde 1981 von Cesare Portolani gegründet und ist in einem alten Palazzo mitten im Ort untergebracht. Jetzt führt Cesare die Schule gemeinsam mit Silvia und Dida. Alle drei unterrichten und kümmern sich ferner um alle möglichen Bedürfnisse ihrer Studenten. Je nach Bedarf verstärken weitere Lehrkräfte das Team.
Hier gibt es viele Möglichkeiten den Sprachkurs zu kombinieren: mit Kultur oder Natur, mit Therme oder Sport, mit Wein oder Küche; selbstverständlich werden auch Einzel- und Vorbereitungskurse für diverse Prüfungen angeboten. - Ich habe mich für das Programm „over 50“ entschieden und besuchte vormittags den Sprachkurs und nahm an diversen Nachmittagen an den angebotenen Besichtigungen teil.
Mein Urlaub war diesmal perfekt; inzwischen ist es das 14. Mal, dass ich einen Sprachkurs in Italien besuche. Das Niveau der Schule ist sehr hoch und die Schülerzahl von 6 Personen pro Klasse wurde nicht überschritten. Ich war mit einem Schweizer Lehrer in einer Klasse und in der 2. Woche sogar allein, da es zu diesem Zeitpunkt keinen anderen Teilnehmer mit dem Level C1 gab. Ich habe sehr viel gelernt; unsere Lehrerin registrierte unsere Fehler im Kopf und am darauffolgenden Tag gab es dazu bereits die entsprechenden Übungen. Silvia verfügt nicht nur über ein umfangreiches Wissen, sondern ist auch sehr motiviert, eine Vollblutlehrerin also! Das Zusatzprogramm wird abwechselnd von den verschiedenen Lehrkräften geführt, da manche Sprachkurse auch am Nachmittag abgehalten werden.
Die Exkursionen in die nähere Umgebung waren ganz nach meinem Geschmack: eine sehr alte, aber gut erhaltene Bibliothek, durch die uns der leitende Bibliothekar führte, eine der ältesten Stoffdruckereien, die heute noch Stoffe herstellt, mittelalterliche Städte, zwei Weinkeller – ein ganz moderner mit einer 1a-Ausstattung und ein traditioneller, ein Ölbauer – um nur die wichtigsten zu nennen. Vor den Besichtigungen wurden im Bus oder im Auto handouts mit den erforderlichen Vokabeln verteilt und diese dann erklärt, damit die Exkursionen wirklich für jeden verständlich waren. Bei den Kursteilnehmern handelte es sich vorwiegend um Erwachsene aus der deutschsprachigen Schweiz, aber auch aus Südtirol und Holland. Zu meiner Zeit war außerdem noch eine junge Japanerin vor Ort.
Die Schule verteilt eine Art Schülerausweis, mit welchem man in verschiedenen Lokalen und Geschäften Preisnachlässe erhält.
Die Küche der Emilia Romagna ist ausgezeichnet, die Preise ähneln allerdings eher jenen in der Toskana, denn Bagno di Romagna ist ein Kurort und unterstand lange Zeit Florentiner Herrschaft. Die Thermen sind für uns Österreicher Miniaturausgaben, aber gut betreut. Bagno ist ein kleiner Ort im Grünen, der mehr oder weniger aus einer Kirche, einigen alten Palazzi, drei Thermen, wenigen ****Hotel, einer Geschäftsstraße und einigen Trattorie besteht; ich würde es klein, aber fein nennen. Es ist ein ruhiger Ort mit Parkanlagen, Wander- und Spazierwegen und Fahrradpisten: ein ideales Erholungsgebiet für Naturliebhaber und das Naherholungsgebiet für die Italiener.
Ich wohnte in der nächstgelegenen kleinen Stadt in einem Appartement, das die Schule für mich ausgesucht hatte. Aber es ist auch möglich bei Lehrern oder ausgesuchten Familien zu wohnen oder in einem der Hotels. Meist bin ich mit dem Rad zur Schule gefahren.
In der Osteria del Teatro habe ich mit vielen anderen Studenten an einem Kochkurs teilgenommen und wir haben unter anderem unter Anleitung des Kochs und seiner Frau „strozzapreti“ hergestellt und selbstverständlich auch verzehrt.
Berühmt ist die Küche der Emilia Romagna vor allem für die Piadine, die man in jeder Bar mit den verschiedensten Füllungen erhält. Außerdem gibt es viele Arten von gefüllter Pasta, also mehr oder weniger Tortellini in vielfältigen Variationen der Formen und Füllungen, sowie viele Fleisch- und Wildgerichte, vor allem aber Pilze und Trüffel und eine große Auswahl an Schafskäse. Berühmt ist der „formaggio di fossa“, der in ein Tuch gewickelt und mit Stroh bedeckt in einer Höhle reifen muss. Man sagt, dass er nur durch Zufall entdeckt wurde; er wurde vor Soldaten versteckt und erst nach Monaten wieder hervorgeholt. Beim Verzehr wurde festgestellt, dass er an Geschmack gewonnen hatte. Es gibt noch viele andere Erzählungen, wie z.B. über einen Wein, der Pagadebiti heißt, da damit die Schulden bezahlt wurden; oder über den Namen der Stadt Bevidoro, da Königin Isabella, als sie den regionalen Wein gekostet hatte, ausrief, dass man diesen besonderen Wein nur mehr aus Goldbechern trinken sollte und nicht wie damals üblich aus Keramik.
Alles in allem habe ich zwei wunderschöne Wochen in der Emilia Romagna verbracht und kann die Schule Scuola Palazzo Malvisi wärmstens empfehlen: der Sprachkurs auf höchstem Niveau und Schule und Ambiente werden – meiner Meinung nach – perfekt aufeinander abgestimmt!

Klagenfurt im August 2014, Beatrix EHARDT