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Erfahrungsberichte

RICORDANDO TRIESTE
Sprach- und Kulturkurs in Triest vom 22. - 26. Oktober 2010

Am 22. Oktober brach eine Gruppe von 18 lerneifrigen Mitgliedern der Dante Klagenfurt nach Triest auf, um dort ihre italienischen Sprachkenntnisse in einem Kurs zu vertiefen und Triest näher kennen zu lernen. Nach unserer Ankunft im Hotel empfing uns Andrea Gilli, Präsident des „Forum Europeo italo – austriaco“, der unseren Aufenthalt in Abstimmung mit Frau Graue organisiert hatte und während der gesamten Dauer unseres Aufenthaltes ein kompetenter und fürsorglicher Begleiter war.

Der erste Termin war ein Empfang beim Triestiner Stadtrat für Fremdenverkehr im Palazzo Gopcevich, am Canal Grande, wo sich auch das Museo Teatrale Carlo Schmidl befindet, das wir im Anschluss besichtigten, wobei die Räume selbst schon eine echte Sehenswürdigkeit darstellen. Ein Spaziergang führte uns anschließend über die Piazza Giovanni, einen kleinen Marktplatz mit einem Brunnen aus Maria Theresias Zeiten, der Trinkwasser spendete, zurück zum Canal Grande, an dessen Ende sich die katholische Kirche Sant'Antonio Taumaturgo aus dem 19. Jahrhundert erhebt. Auf dem Weg dorthin ergibt sich ein Blick auf die sehenswerte serbisch-orthodoxe Kirche.
Am Nachmittag standen die Kursstunden auf dem Programm, während die Vormittage dem Kennenlernen der Stadt vorbehalten waren. In drei verschiedenen Kursstufen verlief die Konver-sation in gelöster, an-genehmer Atmosphäre; die drei Stunden mit einer kleinen Pause vergingen mit unseren KursleiterInnen Laura, Martina und Marco immer wie im Fluge.

Für den ersten Abend war ein gemeinsames Essen mit Mitgliedern der Dante Alighieri Gesellschaft von Triest unter ihrem Präsidenten Dario Vici geplant, das bereits eine gute Möglichkeit bot, die eigenen Italienischkenntnisse zu erproben.

Die Stadtführungen waren besonders interessant und aufschlussreich, lernten wir dabei doch viel über die Stadt, die beinahe 600 Jahre lang eine österreichische war. Unser Hotel befand sich im Borgo Tere-siano, das sich vom Bahnhof bis zur Piazza Unità erstreckt und nach der Kaiserin Maria Theresia benannt ist, weil sie dieses Viertel an der Stelle der früheren Salinen bauen ließ. Der schon erwähnte „Canal Grande“ ist das Herzstück des Borgo Teresiano; früher konnten auch große Schiffe bis in die Stadt einfahren um Waren ein– und auszuladen. Heute ist dies nur mehr kleinen Fischerbooten vom Hafen aus möglich, und das auch nur bei Ebbe, um unter den Brücken durch zukommen.
Bei unserem Spaziergang durch die Stadt sahen wir alle wichtigen Gebäude an der Mole und der Piazza; von der Hafenmole aus sieht man auch den Faro, den Leuchtturm, „la lanterna“, wie ihn die Triestiner nennen, mit dem Engel an seiner Spitze, der seine Flügel im Wind bewegt. Hoch auf dem Berg-rücken der „Pyramidenbau“ der Kirche „Tempio Nazionale di Maria e Regina“, die weithin die gegenüberliegenden Ufer Sloweniens und Kroatiens grüßt.
Von der majestätischen Piazza Unità mit ihren Palazzi, der Statue von Karl VI und dem Brunnen der Vier Kontinente, führte uns Andrea Gilli durch enge Gässchen des früheren Ghetto, das mit seinen kleinen Läden auch am Sonntag ein gewisses Flair vermittelte. Es war nicht nur interessant, seinen Ausführungen zu lauschen, sondern auch ein Genuss, weil wir alle seinem so deutlich gesprochenem Italienisch folgen konnten. Wir sahen das Teatro Romano, eine Arena in gut erhaltenem Zustand und wir erfuhren von ihm auch die Geschichte der „Risiera“: jene Anlage, in der ursprünglich große Mengen Reis angeliefert und weiter verarbeitet wurden, die später den Nationalsozialisten als Lager dienten. Im Jahre 1965 wurde die Risiera zum Nationaldenkmal erklärt.

Am Abend des 24. Oktober waren wir von der Associazione culturale „Friedrich Schiller“ zu einem Liederabend eingeladen, der aus Anlass des österreichischen Nationalfeiertages stattfand und daher erklang zu Beginn sogar die österreichische Bundeshymne. Auf dem Programm standen Lieder von Schubert und Schumann und der aus 15 Damen bestehende Chor, vermittelte einen wahren Kunstgenuss. Beim anschließenden „Brindisi“ übten sich viele der dort anwesenden Damen und Herren mit sichtlichem Vergnügen in deutscher Konversation.

Leider war am darauffolgenden Vormittag bei einer eigenen Führung durch das Hebräerviertel die Synagoge nur von außen zu sehen, da der Innenraum für sämtliche Besucher aus Sicherheitsgründen gesperrt war; lang anhaltender Regen hatte Teile des Daches zum Einsturz gebracht. Die Synagoge von Triest ist eine der größten in Europa und das äußere Erscheinungsbild lässt auf einen wahrhaft erhabenen Innenraum schließen.

Am nächsten Tag besuchten wir San Giusto, den ältesten besiedelten Teil der Stadt den „nucleo della città“. Auf dem Hügel – den wir im Bus „erklommen“ - befinden sich Reste römischer Tempel, die Festung und natürlich die wunderschöne Kathedrale San Giusto, die im 14. Jahrhundert durch die Vereinigung von zwei nebeneinander stehenden Kirchen in ein fünfschiffiges Gotteshaus entstand.

Von San Giusto gelangten wir über Treppen und enge Gässchen, vorbei am „Arco Riccardo“ (Rest eines römischen Tores) und anderen neuesten Ausgrabungen wieder hinunter auf Meeresniveau und zum Borgo Giuseppino, wo Schriftsteller wie Italo Svevo, James Joyce, Claudio Magris sich als Bronzestatuen in das Straßenbild einfügen und wo unsere Führung zu Ende war. Prompt setzte auch der Regen ein und von nun an gab es „Bora“ - offenbar unvermeidbarer Bestandteil eines Triestaufenthaltes.

Den letzten Abend verbrachten wir bei einem gemeinsamen Abendessen in Muggia, wo wir eigent-lich mit dem Boot hinfahren hätten sollen; aber Bora und Regen ließen das nicht zu; also fuhren wir mit dem städtischen Bus bis zur Endstation, von wo wir mit PKWs abgeholt wurden. In der Taverna Cigui erwartete uns ein erlesenes mehrgängiges Abendessen mit vorzüglichem Wein.

Dabei lernten wir neue Fähigkeiten von Andrea Gilli kennen; er war also nicht nur ein umsichtiger Führer und Begleiter, dem keine Mühe zuviel wurde, unseren Aufenthalt so angenehm und ergiebig wie möglich zu gestalten; er kommentierte mit erstaunlicher Kompetenz die Speisenfolge, und zuletzt zeigte er auch noch stimmgewaltig sängerisches Talent. Nicht zu vergessen die stilvollen „Pensierini“, die er uns in ebenso stilvoller Art an diesem letzten Abend als Präsent übergab. Andrea Gilli gilt unser aufrichtiger, herzlicher Dank.

Der letzte Tag war angebrochen: am Vormittag war noch der Besuch in der Azienda Illy vorgesehen. Illy Caffé ist seit 1933 in Familienbesitz und seit 2000 gibt es die Università del Caffé, wo Fachleute und Laien die Kunst der Kaffeezubereitung, des Verkostens usw. erlernen können. - Bei der Führung durch den Betrieb erfährt man Interessantes über Anbau, Ernte, Selektion, Röstung, Verpackung und Zubereitung des Kaffees. Ein Geschmacksvergleich an Ort und Stelle machte deutlich, dass Kaffee nicht gleich Kaffee ist. Auch bei diesem Besuch waren wir nicht allein (gelassen), Marco, der auch einen unserer Kurse leitete, war mit uns.
Und mit ihm ließen wir nach all den Eindrücken, die uns noch länger beschäftigen werden, den so gelungenen Aufenthalt in Triest bei einem gemeinsamen Mittagessen in einer Pizzeria in fröhlicher Runde ausklingen.
Um 15 Uhr holte uns unser Bus wieder ab und wir fuhren bei strahlendem Wetter nordwärts, den Bergen entgegen, die uns mit einer blendend weißen Schneedecke von Weitem grüßten.

Annemarie KALINA