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Erfahrungsberichte

Lingua Sì in Orvieto/Umbrien
Sprachkurs - August 2011

In der Zwischenzeit ist es für mich schon schwierig geworden, einen Italienischkurs für mein Niveau zu finden. Anfängerkurse gibt es fast überall, aber für Fortgeschrittene werden kaum Gruppenkurse angeboten. Einzelunterricht wäre möglich, aber das macht nicht so viel Spaß.

Diesmal habe ich mir Umbrien ausgesucht, da wir im vergangenen Schuljahr viel über diese Region gelesen, gesprochen und gesehen haben.

Orvieto ist eine wunderschöne Stadt – auf einem Tufffelsen erbaut – und hat einen der schönsten Dome Italiens. Hier befinden sich auch noch viele andere äußerst interessante Sehenswürdigkeiten wie z.B. „Orvieto sotteranea“ unterirdische Keller, die bereits von den Etruskern erbaut wurden. Sie dienten als Vorratslager sowie zur Taubenzucht: diese Vögel wurden und werden auch heute noch gegessen! Außerdem gibt es zwei spektakuläre Brunnen, etruskische Gräber und vieles mehr. Es ist kaum vorstellbar, wie technisch versiert schon die Etrusker waren! In den zwei Wochen hatte ich genügend Zeit Orvieto zu besichtigen. Leider ist diese schöne Stadt in erster Linie auf Tourismus ausgerichtet und daher recht teuer. Man trifft hauptsächlich auf Japaner und Amerikaner und wird gleich ENGLISCH angesprochen. Es gibt außer in der Schule mit den Lehrkräften und der Sekretärin kaum Möglichkeiten mit Einheimischen in näheren Kontakt zu kommen.

Der Großteil der Stadt ist Fußgängerzone und dementsprechend ruhig. In den Geschäften und Lokalen werden hauptsächlich umbrische Spezialitäten angeboten. Die umbrische Küche ist sehr gut, aber auch fett, da sehr viel mit Schweinefleisch gekocht wird. Um die Umgebung Orvietos zu erkunden, ist allerdings ein Auto vorteilhaft, da die Züge und Busse keine gute Verbindung in die nähere Umgebung anbieten.

Von der Organisation der Schule war ich wenig begeister. Es wurde mir zwar bei der Suche einer Unterkunft geholfen, allerdings gab es keine Auswahl und ich musste das einzig verfügbare Appartement nehmen. Die Lage ist sehr zentral, die Schule ist nur fünf Gehminuten entfernt, aber es ist recht teuer und auch etwas abgewohnt. Die Nachbarn waren außerdem bis spät in die Nacht hinein sehr laut!
Die Schule bot auch Ausflügen an, die aber an der zu geringen Teilnehmerzahl scheiterten. Den meisten Schülern, sowie auch mir, waren einfach die Kosten für diese Extras zu hoch.
Die Direktorin habe ich in dieser Zeit nie gesehen, den Direktor lernte ich kurz vor meiner Abreise kurz kennen, als er mit uns einen Ausflug in ein benachbartes Weingut unternahm; was wir da zu sehen bekamen, war wirklich erstaunlich: der Weinbauer lagert seinen Wein noch heute in dem Weinkeller, den bereits die Etrusker zu bauen begonnen hatten und der im Laufe der Zeit immer wieder vergrößert wurde. Er hat uns durch diese unterirdischen Gänge geführt und vieles über das Leben der Weinbauern in Umbrien erzählt. Orvieto ist berühmt für seinen Weißwein, den Orvieto classico, ein Cuveé aus mehreren Traubensorten. Selbstverständlich haben wir auch mehrere unterschiedliche Weine gekostet.
Die Schule ist recht klein, hat fünf Klassen und einen gemeinsamen Raum mit zwei PC’s für alle Schüler. Mein Sprachunterricht dauerte täglich von 9 – 13 Uhr. Ich war in einer Minigruppe gemeinsam mit einer polnischen Englischlehrerin. Unsere Kursleiterin war einmalig: Sie notierte sich während des Unterrichts unsere Fehler und bereits am nächsten Tag hatte sie Übungen dazu parat. Wir hörten viele Lieder und füllten die dazugehörigen Lückentexte aus, lasen u.a. Ausschnitte aus der „Divina Commedia“ und von Primo LEVI.

Die Zeit verging immer wie im Flug und meist machten wir auch „straordinari“, weil wir alle die Zeit übersahen!

Durch diesen außergewöhnlich guten Unterricht haben mich die Mängel nicht so gestört, aber ich würde nicht mehr nach Orvieto auf Urlaub fahren.

Beatrix EHARDT