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Erfahrungsberichte

Istituto Venezia a Trieste

Wer sein Italienisch in komprimierter Form aufpolieren möchte und wenig Zeit hat, der ist am „Istituto Venezia Trieste“ sehr gut aufgehoben. Da mir selbst nur eine Woche zur Verfügung stand, wählte ich die Variante „Super Intensivo“, das heißt, ich hatte an den Vormittagen vier Stunden Kleingruppenunterricht und am Nachmittag zusätzlich zwei Einzelstunden.

Meine Entscheidung, eine Sprachschule in unmittelbarer Grenznähe zu wählen, war zunächst einmal rational begründet: Eine kurze An- und Abreisezeit sowie die Nähe zum Arbeitsplatz waren mir wichtig. Natürlich spielte auch die emotionale Komponente mit in die Entscheidung hinein: Triest, diese Mischung aus Wiener Ringstraße, italienischem Hafen und slowenischem Karst, hat mich schon immer in seinen Bann gezogen.
Die Unterrichtsräume des „Istituto Venezia“ liegen in einem ehemaligen Kloster, nur einen Steinwurf hinter der „Piazza Unità Italia“, also mitten im historischen Zentrum der Stadt. Das Ambiente des Instituts ist etwas antiquiert, hat aber einen gewissen Charme. Bereits der Erstkontakt verlief positiv, ich wurde im Sekretariat freundlich begrüßt, meiner zukünftigen Lehrerin vorgestellt und musste zunächst einmal einen kurzen Einstufungstest bestehen.
Da das Institut nicht sehr groß ist und Anfang Juni noch relativ wenige Studenten vor Ort waren, gab es drei Unterrichtsgruppen auf drei unterschiedlichen Niveaus. Ich selbst wurde dem Kurs mit dem höchsten Niveau (Stufe 3) zugeordnet und kam in eine Kleingruppe, bestehend aus insgesamt sieben Personen. Spannend waren die kulturelle Vielfalt der Gruppe und das unterschiedliche Altersniveau. Mein jüngster Mitstudent war ein achtzehnjähriger Türke, die älteste Kollegin eine knapp siebzigjährige Australierin. Weitere vertretene Nationen waren Frankreich, Deutschland und Island. Aufgrund der unterschiedlichen Muttersprachen waren wir gezwungen uns ausschließlich auf Italienisch zu unterhalten, was den Lerneffekt für meine Begriffe zusätzlich verstärkte.
Das didaktische Konzept behagte mir sehr gut: Der Vormittagskurs war in zwei Blöcke aufgeteilt, wobei jeder Block von einem anderen Lehrer geleitet wurde. Die Morgeneinheit war von schwierigen Texten und intensiven Diskussionen geprägt, wobei Gram-matikübungen gut integriert wurden. Der zweite Block stand dann vor allem im Zeichen der Interaktion, wobei hier vor allem auf eine spielerisch-lockere Sprachvermittlung Wert gelegt wurde.
Wirklich intensiv waren meine zwei Einzelstunden am Nachmittag, die forderten mich ordentlich! Vorteilhaft war, dass eine der Lehrerinnen des Gruppenkurses auch meine „Privattrainerin“ war. Aufbauend auf Ihrer Beobachtung meiner Schwächen, bereitete sie Übungen vor, die mir dabei halfen, meine individuellen Defizite zu minimieren. Aus meiner Sicht kann man das nicht besser bewerkstelligen.
An den Nachmittagen bot das Institut überdies noch Ausflüge und Exkursionen an, an denen ich aufgrund meiner Einzelstunden nur teilweise teilnehmen konnte. Begleitet wurde das Freizeitprogramm von Lehrkräften des Instituts und auch hier wurde ausschließlich auf Italienisch kommuniziert.
Sechs Stunden Unterricht pro Tag, italienische Hausaufgaben, italienisches Freizeit-programm und Gespräche auf Italienisch mit Einheimischen und internationalen Studenten an den Abenden – mehr Italienisch geht eigentlich nicht in einer Woche! Abgesehen von kurzen Telefonaten mit meiner Familie und meinen Kolleginnen und Kollegen in Österreich, sprach und hörte ich fast nur Italienisch.
Mein Fazit: In sehr kurzer Zeit konnte ich einen sprachlichen Sprung nach vorne machen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis des Instituts ist meiner Meinung nach hervorragend. Insgesamt ist das Personal sehr freundlich und engagiert. Wer das besondere Flair Triests liebt, dem wird auch die Lage des Instituts sehr gut gefallen – mitten im Zentrum der Hafenmetropole! Wer länger Zeit hat und wem die oben beschriebene Sprachdosis zu intensiv ist, dem wäre anzuraten, zwei Wochen zu bleiben und pro Unterrichtstag eine Einzelstunden zu buchen.

Klagenfurt, im September 2013

Mag. Dr. Bernhard ERLER