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Die Wirtschaft im Nordosten Italiens

Trends und Fakten

Auf Einladung der Dante Alighieri Gesellschaft Klagenfurt, der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft und der Wirtschaftskammer referierte zu diesem Thema die österreichi-sche Wirtschaftsdelegierte in Padua, Dr. Ingrid Valentini Wanka.

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Ausgehend von der Definition „Nordosten Italiens“ (dazu gehören nicht nur Friaul Julisch Venetien und Veneto, sondern auch die Emilia Romagna und Trentino Südtirol) befasste sich die Referentin ganz allgemein mit der Wirtschaftslage Italiens und der Entwicklung seit dem Antritt der Regierung Monti. Sie erstellte ein interessantes Stärke-Schwächeprofil und strich dabei die hohe Eigenheimquote (80% der italienischen Bevölkerung verfügen über eine Eigentumswohnung bzw. ein Haus) und die geringe Verschuldung der italienischen Familien und Unternehmen hervor; ferner wies sie auf die ausgeprägte Flexibilität der italienischen Unternehmer hin, die sie als bewährte Krisenmanager bezeichnete. Auf der Negativseite stehen die hohe Staatsverschuldung und die überbordende Bürokratie, sowie ein geringer Liberalisierungsgrad. Der wenig flexible Arbeitsmarkt, die geringe Wettbewerbsfähigkeit, eine hohe Steuerbelastung und die langsame Rechtssprechung sind weitere Schwachpunkte unter denen die italienische Wirtschaft leidet; dazu zählen außerdem noch lange Zahlungsziele und eine langsame Rechtssprechung.

Im Nordosten macht sich darüber hinaus eine Tendenz zur Betriebsabsiedlung breit;

Das Erfolgsmodell des Veneto hat an Glanz eingebüßt und im 12 Punkte Programm der Lega Nord setzt man auf Steuerföderalismus und die Zusammenarbeit mit den angrenzenden Regionen in Mitteleuropa: auf Alpen Adria und auf die Euroregione Nord.

80% des österreichischen Außenhandels wird mit den 6 Regionen in Norditalien abgewickelt, 50% aller österreichischer Warenlieferungen nach Italien gehen in die vier Regionen des Nordostens, wobei Venetien an erster Stelle steht.

Österreich importierte 2011 mehr Waren aus der Provinz Udine als aus Kanada, Australien oder Griechenland.

Österreichische Qualität wird in Italien sehr geschätzt und die heimischen Produkte dringen auch in typische Bereiche des „Made in Italy“ (wie z.B. Lebensmittel) vor.

Italien ist nach Deutschland der zweitwichtigste Handelspartner und der erste mit einer fremden Sprache; für diesen riesigen Markt vor der Haustüre gelten auch besondere „Spielregeln“, wobei die persönlichen Kontakte an erster Stelle stehen; dafür sind die Kenntnisse von Sprache und Mentalität unerlässlich.

Wie wichtig die Kenntnisse über die Verhältnisse im Nachbarland auch und besonders im Bereich der Wirtschaft sind, geht aus der Tatsache hervor, dass Dr. Valentini Wanka nach dem Vortrag in Klagenfurt auch in Padua vor der Deutsch-Italienischen Gesellschaft über die Situation in Österreich und die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern referieren wird.