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Italien vor der Wahl

Unter diesem Titel stand die Präsentation der italienischen Parteienlandschaft durch den Stellvertretenden Direktor des „Messaggero Veneto“, Giuseppe Ragogna, und die anschließende Diskussion.

Dir. Ragogna konnte auf dem Beitrag von Marco di Blas aufbauen, der in deutscher Sprache im letzten Mitteilungsblatt der Dante Alighieri Gesellschaft Klagenfurt veröffentlicht wurde und im Original auf der Internetseite der Gesellschaft zur Verfügung stand.

Überrascht waren die italienischen Gäste über das große Interesse an dieser Veranstaltung; unter den Anwesenden war nicht nur der Hausherr des Landesarchivs, Dir. Dr. Wadl, sondern auch der Präsident der Dante Alighieri Gesellschaft Spittal, Dr. Thalhammer und Mag. Graf aus Villach. Besonders bemerkenswert der Besuch zwanzig Schülern der Maturaklasse des Gymnasiums Tanzenberg unter Frau Mag. Elvira Holub-Supanz.

Zu Beginn stellte Dir. Ragogna die wichtigsten, der zahlreichen Gruppierungen/ Parteien vor, die am 24. und 25. Februar 2013 zu den italienischen Parlamentswahlen antreten werden, sowie die Prozentpunkte, die ihnen die verschiedenen Umfragen zu diesem Zeitpunkt gaben: Centro Sinistra (Mittelinks – 33%) unter Pier Luigi Bersani, bestehend aus dessen PD (Partito Democratico) und SEL (Sinistra, Ecologia, Libertà) unter Nichi Vendola, dem Landeshauptmann von Apulien, der eine Reihe anderer linker Gruppierungen in seiner Partei vereint.

Centrodestra (Mitterechts – 28%) unter Silvio Berlusconi bestehend aus dessen PDL (Partito delle libertà), sowie der Lega Nord unter Roberto Maroni und einigen kleineren Gruppierungen, wie z.B. „Fratelli d’Italia“ (eine Splittergruppe der PDL unter La Russa und Meloni).

Scelta civica (13%) des amtierenden Ministerpräsidenten Mario Monti, der auch UDC unter Pierferdinando Casini und FLI unter Gianfranco Fini angehören.

Movimento 5 stelle (M5S – 15%) unter dem Komiker Beppe Grillo.

Nach dem vermutlichen Wahlausgang befragt, wies der Referent zunächst auf das „ungeliebte“ Wahlrecht hin, das in der Abgeordnetenkammer jene Partei, die die meisten Stimmen auf sich vereinen kann, mit 55% der Sitze belohnt, während der „Siegerbonus“ im Senat auf regionaler Ebene vergeben wird. Hier ist eine Prognose sehr schwierig, weil die Kandidaten in Einerwahlkreisen antreten und in den entscheidenden Regionen (jene mit der höchsten Einwohnerzahl und somit den meisten Senatssitzen – das sind vor allem Lombardei, Veneto, Kampanien und Sizilien) durch das Antreten weiterer kleiner Gruppierungen Überraschungen nicht auszuschließen sind.

Daher dürfte – nach der Einschätzung von Dr. Ragogna – die Mittelinks-Gruppierung in der Abgeordnetenkammer mit einer Mehrheit rechnen können, die sie aber im Senat wohl nicht erreichen wird, wo sie wohl auf die Unterstützung von Ministerpräsident Monti und seiner Gruppe angewiesen sein dürfte. Dafür könnte der Führer des Centrosinistra, Bersani, Monti als Staatspräsidenten vorschlagen, der ebenfalls im Frühjahr zur Wahl ansteht und der vom Parlament und Abgeordneten aus den Regionen gewählt wird.

Für die im April anstehenden regulären Regionalwahlen in unserer Nachbarregion Friaul-Julisch Venetien befragt, sieht der Referent keine großen Umwälzungen voraus, da der amtierende Landeshauptmann Renzo Tondo (der in Italien direkt gewählt wird) wieder antritt, während das Mittelinksbündnis (für das bei der letzten Wahl Riccardo Illy kandidierte) diesmal eine Frau in den Wahlkampf schickt, der er nur wenige Chancen einräumte.

Hervorzuheben ist wohl noch die Tatsache, dass sich eine Vielzahl von Personen an der Diskussion beteiligten und dass alle – auch die zahlreichen Österreicher – ihre Fragen auf Italienisch formulierten.